2011

Weihbischof Laun sorgt wieder einmal für Aufregung

k.A.

Der Erzbischof als Krisenfeuerwehr

Ziemlich rund ging es zuletzt in der Erzdiözese Salzburg. Der Grund: Weihbischof Andreas Laun hatte vor Kurzem mit durchaus deftigen Äußerungen zur nationalsozialistischen Vergangenheit für Diskussionsstoff gesorgt. Sinngemäß verglich Laun die Bücherverbrennungen durch die Nazis mit dem Verbot des Hitler-Werks „Mein Kampf“ durch die Republik Österreich. Anlass war die Enthüllung einer Gedenktafel für die Bücherverbrennung in der Stadt Salzburg.
Auch berichtete Laun, ihm sei bei einer Anti-Abtreibungsveranstaltung einmal eine brennende Bibel vor die Füße geworfen worden. Auch dies sei eine Art der Bücherverbrennung, argumentierte Laun.
Nun musste Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser eingreifen. In einer Aussendung ließ er wissen: Bücherverbrennungen jeder Art seien zu verurteilen. „Sie sind aber nicht vergleichbar mit jenem ideologischen Kampf, der im Holocaust seinen menschenverachtenden Tiefpunkt erreichte. Der Respekt vor den Opfern dieser dramatischen Ereignisse schließt jede Vergleichbarkeit aus.“ Innerhalb der Erzdiözese soll Laun durchaus kritisiert und „ins Gebet genommen“ worden sein – auch vom Erzbischof selbst. In der Kirche soll nun geklärt werden, warum eigentlich Laun die betreffende Rede hielt.

Salzburger Nachrichten Printausgabe vom 6.12.2011 – Seite 9
http://www.salzburg.com/epaper/PHP-Files/archivedpages.php#_login
(Login erforderlich)
 
Dazu ein Leserbrief von Gesinnungsfreund Dr. B. Tschammer-Osten:

Die Aufregung um die Rede von Weihbischof Laun angesichts des Gedenkens der verdammenswerten Bücherverbrennungen durch fanatische Nazis auf dem Salzburger Residenzplatz zeigt das Dilemma auf, in dem sich die katholische Kirche befindet, wenn es um ihre eigene Geschichte geht.
Der Antisemitismus der Nazis war ja keine Erfindung von Hitler und seinen verbrecherischen Gesinnungsgenossen, sondern ist Jahrtausende altes christliches  Gedankengut. Es ist sogar wahrscheinlich, daß die Verbrechen an den Juden durch die Nazis nicht möglich gewesen wären, wenn die Bevölkerung durch den latenten Antisemitismus der christlichen Kirchen nicht entsprechend abgestumpft und im Religionsunterricht mit Vorurteilen gegen die Juden erzogen worden wären.
Auch die Bücherverbrennungen wurden nicht von den Nazis erfunden, sondern stellen gewissermaßen eine alte christliche Tradition dar, die sich bis ins 18. Jahrhundert gehalten hat. Wie man bei Karlheinz Deschners Kriminalgeschichte des Christentums nachlesen kann, gingen bei den  Glaubenskämpfen der frühen Christen  untereinander nicht nur deren Bücher, sondern auch deren Kirchen in Flammen auf, wie man zuvor auch die sogenannten „heidnischen“  Schriften und Tempel gemeinsam vernichtet hatte. Ganze Bibliotheken, die dem Weltbild der Christen nicht entsprachen, mußten daran glauben.  Unser Wissen von der Philosophie und Wissenschaft der Griechen beruht daher größtenteils auf der Rückübersetzung der antiken Werke aus dem Arabischen, wo man diesen Fanatismus gegen die Schriften „Ungläubiger“ nicht entfaltet hat.
Interessieren würde mich, ob man in der Erzdiözese Salzburg noch weiß, wie man vor nicht allzu langer Zeit mit den konfiszierten Luther-Bibeln der Bergleute und Bauern vom Dürrnberg  umgegangen ist, die man mitten im  Winter ohne ihren Besitz aus Salzburg vertrieben hat.
Als engagierter Freidenker muß ich mich daher fragen, ob es eine gute Idee des Magistrats war, ausgerechnet einen Vertreter der Katholischen Kirche zu einer Gedenkrede  anlässlich der Enthüllung dieser Gedenktafel einzuladen.

Universitätsprofessor
Dr. B. Tschammer-Osten
Salzburg

 

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rokoko-Ofen.jpg

Description: Katholische Propagierung der Bücherverbrennung antiker, mittelalterlicher und neuzeitlicher Bücher während des 18. Jahrhunderts.

This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license. Attribution: Bibhistor from de.wikipedia.org

« zurück