2011

Über die religiöse Verbuntung Österreichs

k.A.

Wir Naturwissenschafter haben nun einmal eine Ahnung wie es in der Natur zugeht. Da hilft keine Hoffnung, kein Gebet und keine kirchliche Enzyklika: Das geht nach dem „Le Chatelier“ Prinzip des kleinsten Zwanges, ob die Kirchenleute es wollen oder nicht. Wenn der Druck groß wird, richtet sich das System neu ein, so dass sich der Druck weniger auswirkt. Denn auch die Kirche als Teil der ganzen Welt unterliegt den Gesetzen der Natur, aber nicht umgekehrt. Sie funktioniert auch ohne Kirche. In Fall der Kirche heißt das, dass Logik und kritisches Denken auf Basis von Belegen, wie es in unserem ganzen restlichen Leben außerhalb der Kirche selbstverständlich ist, auch die Belange der Religion langsam hinterfragen und nach Berechtigungen fragen, z.B. woher nehmt ihr die Berechtigung für das Moral-Monopol?“.

Sigmund Freud war nicht der erste, aber er hat es am schönsten formuliert:

„Wir mögen noch so oft betonen, der menschliche Intellekt sei kraftlos im Vergleich zum menschlichen Triebleben, und recht damit haben. Aber es ist doch etwas Besonderes um diese Schwäche; die Stimme des Intellekts ist leise, aber sie ruht nicht, ehe sie sich Gehör geschafft hat. Am Ende, nach unzählig oft wiederholten Abweisungen, findet sie es doch." – (Die Zukunft einer Illusion). Und er sagte auch noch: „Der Mensch hat nur einen Gott und das ist die Vernunft!“

Alle Auswirkungen des naturwissenschaftlich geprägten Denkens, wie Magnetresonanz, Flugverbindung und computergestützte Buchhaltung zur Verwaltung von Kirchenbeiträgen werden gerne angenommen, auch von der Kirche. Und wehe, wenn einmal etwas nicht funktioniert. Aber alle Leute, nicht nur die Kirchenleute wollen immer das Semmerl und das Weckerl: Die Schere zwischen einem kritischen, ergebnisorientierten Vernunft-Denken und einer Denk-Basis eines bronzezeitlichen Hirten-Volkes aus Palästina (Galiläa vor 2002 Jahren) geht immer weiter auf und ist nicht mehr in den Griff zu bekommen, auch wenn noch so viel „Hoffnung“ in Erhaltung der einst eindrucksvollen (siehe Petersdom), jetzt nur mehr obszön wirkenden Macht gesetzt wird.
Alle heute als evident scheinenden und z.T. als „christliches Erbe“ des Abendlandes erkämpften Fortschritte der Menschheit in puncto Sozialisation, Moral und Politik sind gegen den heftigen Widerstand der Kirche erkämpft worden und nicht durch sie. Herr Prof. Zulehner sprach im Parlament bei der Enquete für den Ethikunterricht von den Menschenrechten als „christlichem Erbe des Abendlandes“, ein Schlag ins Gesicht der kirchenkritischen Vorkämpfer für die Menschenrechte, wie Paine und Jefferson und somit eine christliche Dauerlüge, die durch Wiederholen nicht wahrer wird.
Zulehner: „Die Religionslandschaft wird bunter“: Die Wahrheit ist: Die einzige „Religion“, die aus sich wächst, also nicht durch Zuwanderung und Mission (wie die Zeugen), ist die „Nicht-Religion“, das sind die Atheisten. Und das weltweit. Keine Rede von „es wird wieder besser“. Genauer gesagt, das war schon immer so, aber wegen Repression bis weit in unsere Zeit, ist dieser Prozess aufgehalten worden. Wenn man Taufe (für mich die schlimmste Art der repressiven Glaubensvermehrung), Mission, Machtpolitik („Cuius regio, eius religio!“) alles zusammennimmt, ist in den letzten Jahrhunderten niemand freiwillig der Kirche beigetreten und genauso wäre das jetzt auch. Wäre morgen ein RESET möglich, alle Religionszugehörigkeit würde auf Null gestellt, jeder müsste neu aus einer Palette von Denk- und Glaubensgebäuden auswählen, dann wäre die Katholische Kirche morgen auf null Mitglieder, der Buddhismus auf 20% und der Rest Atheisten und Agnostiker.
Nichts wird wieder werden in der Kirche, nach den sogenannten Störfällen, Hr. Prof. Zulehner! Genauso wie wir alle wissen, dass auf Dauer eine prosperierende Wirtschaft in China mit dem Gedankengebäude der gelenkten Demokratie, wie der Kommunismus jetzt dort genannt wird, nicht vereinbar ist. Ähnlicher Fall: Kritisches Denken unerwünscht! Eine Kirche, die aus innerem Antrieb den Sexualtrieb wie einen garstigen Ausschlag behandelt, Frauen und Homos benachteiligt, und prinzipiell an der Züchtung von Schafen interessiert ist, statt an der Weckung von Talenten und Begleitung von neugierigen, jungen Menschen, ist aus Prinzip zukunftsuntauglich, Bergpredigt hin oder her.
In der Bibel sind einige hübsche Stellen, zugegeben, aber als Konzept für die Zukunft, taugt das schon lang nicht mehr. Auch nicht in der von Österreichern gepflegten Form des „Christentum light“. Österreicher treten nicht aus, sondern kümmern sich einfach nicht um die Religion, außer am Land, wenn es darum geht, den Sonntagsanzug auszulüften.
Deswegen gibt es ja in Österreich die köstliche Formulierung, er ist „tief katholisch“. Auf Deutsch gesagt, er ist einer, der den ganzen Schmonzes wirklich glaubt. (Dabei kann man, streng genommen, nur dann katholisch sein, wenn man alle Dogmen vorschriftsmäßig glaubt. Laut meiner Erfahrung sinkt dadurch die Mitgliederanzahl ohnehin auf nahe null).
Genau wie in China, wird bald die Machtstruktur völlig geändert werden müssen, weil die Leute einfach nicht mehr mitspielen und den Bischofsring küssen. Wir werden andere Schulen haben müssen, die die Neugier und die Kreativität als Schatz begreift und weniger den Gehorsam. Frauen wird die Geduld ausgehen, Homos ist sie schon ausgegangen, Kinder wollen nicht mehr mit einer Punze herumlaufen, die ihre Mitschüler zu „Kunstfeinden“ macht. Erwachsene wollen nicht mehr heilig werden, als Lebensideal. Und überhaupt, alle wollen sich nicht mehr so sehr und so sinnlos fürchten. Wie sang schon John Lennon in meiner Jugend: „Imagine…… there is no heaven… and no religion, too! “

Dr. Gerhard Engelmayer
Pressesprecher Freidenkerbund Österreich

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