2011

Stirbt Religion (doch) aus?

Belehrung der Mutter

In vielen Industriestaaten greift die Säkularisierung um sich, und die Zahl der Gläubigen sinkt. Gleichzeitig beginnt aber auch eine Gegenbewegung - die oft übersehen wird.

Empirische Studien zu Religion sind offensichtlich "in": Kurz nachdem der Cambridger Ökonom Robert Rowthorn Modellrechnungen vorgestellt hat, wie sich religiöse Veranlagungen durch die durchschnittlich höhere Kinderzahl von Gläubigen ausbreiteten, äußern sich nun auch Physiker und Mathematiker. Daniel Abrams und Haley Aple von der Northwestern University in Illinois sowie Richard Wiener von der University of Arizona in Tucson präsentierten nun eine Modellrechnung, nach der Religionszugehörigkeit in einigen Gesellschaften aussterben könnte. Sie orientierten sich dabei an einer Studie, mit der sie bereits das Aussterben von Sprachen erkundet hatten.

Die drei Forscher widmeten sich der Frage, warum in vielen wirtschaftlich entwickelten Staaten der Anteil der Konfessionslosen seit Langem steige. Und sie rechnen durch, was passieren würde, wenn sie diese Entwicklung in die Zukunft verlängern. Als Grundannahme gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Menschen so lange Religionsgemeinschaften angehören, wie ihnen dies "soziale, ökonomische, politische und sicherheitsrelevante Vorteile" beschere sowie "spiritueller und moralischer Einklang" mit der Gruppe bestünde.

In entwickelten Wohlfahrtsstaaten würden aber die Nutzenfunktionen von Religionsgemeinschaften sinken. Zugleich steige mit der wachsenden Zahl der Konfessionslosen wiederum der soziale Druck auf die schrumpfenden Netzwerke der Glaubenden. Ihr Modell könne die wachsende Konfessionslosigkeit in den von ihnen getesteten neun Staaten erklären: Australien, Finnland, Irland, Kanada, Neuseeland, Niederlande, Österreich, Tschechische Republik und Schweiz. Abschließend kommen sie zu der Feststellung, dass auf diesem Wege "Religion ausstirbt."

Weiterlesen auf wissenschaft-online.de.

« zurück