2011
Religion ist Krieg
Zuerst die schlechte Nachricht: Der – aus heutiger Sicht fragwürdige – Zusammenhang zwischen religiösen Institutionen und Gewaltbereitschaft ist kulturgeschichtlich seit dem Ende der letzten Eiszeit evident, und zwar im altertümlichen Opferwesen. Die gute Nachricht: Rituelle Menschenopfer sind mittlerweile abgeschafft. Ich darf mich begnügen, auf eine Untersuchung hinzuweisen, die das Thema bereits im Titel signalisiert: „Das Heilige und die Gewalt“, erstmals erschienen 1972, verfasst von dem Literaturwissenschaftler René Girard. Auf sein Thema war Girard bei der Lektüre der „Bakchen“ von Euripides gestoßen. In diesem Theaterstück fand Girard eine Atmosphäre der Halluzination und des Terrors, die er zur Grundlage seiner Religionstheorie machte.
Mittlerweile ist eine Menge passiert, nicht nur die Kardinalfehler des Erzbischofs Groër, unter anderem ist auch das kirchliche Internatswesen in die Schlagzeilen gekommen. Girard schrieb: „Das Religiöse ist nichts anderes als die ungeheure Anstrengung, den Frieden aufrechtzuerhalten. Das Sakrale ist die Gewalt, doch wenn das Religiöse die Gewalt verehrt, dann immer nur deshalb, weil es von ihr annimmt, dass sie den Frieden bringe. Aber die Wege zu diesem Frieden sind nicht von gewaltsamen Opferungen frei.“
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Foto: lilithnews.com.
