2011

Jeder achte Biologielehrer in den USA ist Kreationist

Evolution

Dürfen kreationistische Vorstellungen im Schulfach Biologie unterrichtet werden? Diese Frage beschäftigt in den USA neben großen Teilen der Öffentlichkeit bis heute auch die Justiz. Dabei hatte der Oberste Gerichtshof in Washington bereits 1987 festgestellt, dass der Kreationismus keine Wissenschaft sei, sondern auf religiösen Glaubenssätzen beruhe. Folglich verstoße seine Vermittlung im Unterricht gegen die in der US-Verfassung festgeschriebene Trennung von Staat und Religion. Zwar haben sowohl die klassischen Kreationisten als auch die Vertreter des Intelligent Design (ID) seitdem jeden Prozess verloren. Dennoch stehen ihre Ideen an vielen Schulen der USA weiterhin hoch im Kurs.

Parallel dazu würden das evolutionäre Denken, die wissenschaftliche Methodik und die Vernunft selbst zunehmend aus amerikanischen Klassenzimmern verdrängt, schreiben die Politikwissenschaftler Michael Berkman und Eric Plutzer jetzt in der Fachzeitschrift »Science« (Bd. 331, S. 404). Die beiden Forscher von der Penn State University beziehen sich dabei auf eine von ihnen selbst durchgeführte landesweite Befragung von knapp 1000 Biologielehrern. Nur 28 Prozent gaben an, den Empfehlungen des Nationalen Forschungsrates zu folgen und ihren Schülern ein fundiertes Bild von der Darwinschen Theorie zu vermitteln. Rund 13 Prozent sind nach Einschätzung der Autoren »hartgesottene Kreationisten«. Sie bevorzugen im Unterricht die Schöpfungslehre und behaupten, dass es bis heute keine stichhaltigen Belege für die Evolutionstheorie gebe.

Die restlichen 59 Prozent halten sich bedeckt. Manche unterrichten nur Molekularbiologie und gehen Fragen der Evolution von vornherein aus dem Weg. Andere erklären, es sei unwichtig, ob Schüler tatsächlich an die Evolution »glaubten«. Entscheidend sei, dass sie in Prüfungen die Fakten richtig wiedergeben könnten. Eine dritte Gruppe behandelt im Unterricht sowohl die Evolutionstheorie als auch die Schöpfungslehre und überlässt es den Schülern, sich selbst ein Urteil zu bilden. Damit werden auch die Unterschiede zwischen Erkenntnis und Glauben verwischt, was letztlich den Kreationisten zugute kommt.

Um dieser Entwicklung zu begegnen, fordern Berkman und Plutzer eine bessere Ausbildung von Biologielehrern und verweisen damit auf ein Problem, das auch in Deutschland nicht unbekannt ist. Im Jahr 2007 wurden an der Technischen Universität Dortmund 1228 Lehramtsstudierende des ersten Semesters gefragt, ob sie der Meinung seien, dass in der Natur eine Evolution stattgefunden habe. Fast 15 Prozent verneinten dies. Bei den befragten Lehramtsstudenten für Biologie war der entsprechende Anteil zwar kleiner, lag aber immerhin noch bei knapp sechs Prozent. Rund zehn Prozent der angehenden Biologielehrer gaben überdies an, dass der Mensch in seiner heutigen Gestalt unmittelbar von Gott erschaffen worden sei.

Der Leiter der Studie, der Biologiedidaktiker Dittmar Graf, war von diesen Zahlen so überrascht, dass er die Umfrage an den Universitäten Siegen und Hildesheim wiederholte – mit ähnlichen Ergebnissen. Bei den künftigen Biologielehrern bestehe durchaus die Hoffnung, meint Graf, dass sie sich während ihres Studiums noch von der Richtigkeit der Darwinschen Theorie überzeugen lassen: »Aber meine Prognose ist, dass ein kleiner Kern von Lehrern die Evolutionstheorie im Biologieunterricht ablehnen wird.«

Quelle: Neues Deutschland.

Bildquelle: scinexx, das Wissensmagazin.

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