2011
Irre? Bischof warnt vor “Zuviel” an Realität
Die klare Orientierung an den Tatsachen der Gegenwart, in der die Menschen „bisweilen leben“, verurteilte er als „Diktatur der Diesseitigkeit“. Der „Smog der Säkularisierung“ würde von Gelegenheiten zur Selbstreflexion abhalten. Menschen sollten sich lieber als Geschöpfe seines Gottes wahrnehmen.
Der Bischof erklärte, viele Menschen würden durch Unglück, Trennung, Krankheit und Tod an Grenzen gelangen, in denen ein Bedürfnis nach Religiosität entstünde. Dieses Bedürfnis, glaubt er, könne der Katholizismus in menschenwürdiger Form ausfüllen. Deshalb wäre es eine zentrale Aufgabe seiner Kirche, für solche Momente „Räume offen zu halten“, betonte der Bischof.
Die Äußerungen erfolgten im Rahmen einer Podiumsdiskussion von „Kirche in Not“, einer kirchennahen Hilfsorganisation. Der Titel der Veranstaltung lautete: „Neuevangelisation gegen alle Widerstände“.
Auch Tebartz-van Elst bezog sich konkret auf die geplante Neumissionierung Europas, für welche der Vatikan vor kurzem eine eigene Behörde eingerichtet hat.
Zur „schweren“ Frage, weshalb Sonntags die Kirchen so leer sind, meinte Tebartz-van Elst, man könne darauf kaum mit einem Satz antworten. Für immer weniger Menschen wären sein Gott und der mysteriöse Jesus Christus „ein persönliches Du“, bedauerte der Berufsgläubige.
„Wer glaubt, sieht mehr“, meinte er weiter. Und Gebete würden tiefer in diesen Glauben führen, riss Tebartz-van Elst unter anderem das bekannte Grundprinzip der Autosuggestion an. Wer aber nicht betet, würde den Glauben verlieren.
Franz-Peter Tebartz-van Elst hofft nun, durch eine Neuevangelisation gegen alle Widerstände könnten sich mehr Menschen wieder für die kirchlichen Dogmen vom Jenseits und allmächtigen Himmelsvater begeistern.
In einer weltweit beachteten Debatte zwischen dem britischen Politiker Tony Blair und dem Autor Christopher Hitchens Ende November 2010 zur Frage, ob Religion eine Kraft des Guten sei, sparte auch Hitchens nicht an eindeutigen Worten.
“Eine himmlische Diktatur, eine Art göttliches Nordkorea”, sind die Ideen und Gottesbilder von Tebartz-van Elst und seinen Amtskollegen, so Hitchens. „Mit willkürlichen Regeln und einem Hass gegenüber der Freiheit und Rationalität.”
