2011
Aufruf: Rettet die Kirche
"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein."
So äußerte sich Albert Einstein im vergangenen Jahrhundert. http://www.schneider-andre.net/zitate/albert-einstein-zitate
Einige Jährchen zuvor hätte die Inquisition gemeinsam mit adeligen Feudalherren entsprechende Folter- und Tötungsmechanismen ersonnen für eine derartige Aussage.
Nun aber, da vor allem via einen Missbrauchsskandal dargelegt wurde, was die ehedem leibeigene Bevölkerung unter christlicher Sexualmoral tatsächlich zu verstehen hat, verabschieden sich die früher so dummen und braven Schäfchen in Scharen von dieser Ideologie (und suchen sich eine für sie und ihre Kinder wesentlich angenehmere und günstigere: zum Beispiel Humanismus und/oder Sozialismus oder gar Freidenkerei).
"Beati pauperes spiritu, quia ipsorum est regnum coelorum." (Matth. 5, 3)
"Beglückt (sind) die an Geist Armen, denn ihrer ist die Regentschaft der Himmelreiche" (Übersetzung: R. Kofler)
Hätte das Einstein gesagt, und hätte er es Jahrhunderte zuvor gesagt – na ja, wir wissen schon.
Zwei Gruppierungen versuchen die Kirche zu retten – oder das, was davon noch übrig ist. Reformistische Bestrebungen wollen jetzt schon das radikal innovative Gedankengut eines Martin Luther (1483-1546) in die Katholenkirche einbringen.
Helmut Schüller, der als Caritas-Präsident den Mund zu weit aufmachte ( http://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Sch%C3%BCller ) und daher entmachtet wurde, sieht eine Notwendigkeit, mit sozialen Realitäten so umzugehen, dass gewisse Vereinsregeln daran angepasst werden sollten. Das ist nachvollziehbar, denn wenn ein "christliches" Gedankenschema nur zu einer bestimmten Gesellschaftsform passt, dann hat man Schwierigkeiten damit, dass das Ganze ja für die Ewigkeit erschaffen sein sollte.
Die Analogie mit einem evolutionären Vorgang drängt sich auf: aber man will sich ja nicht der Realität anpassen – nein, man will die Realität anpassen.
Diese neumodische Idee, ein unehelich geborenes Kind sei auch so ein Mensch wie Du und ich, wurde über Jahrhunderte hinweg brutalst unterdrückt. Dagegen muten die Aktionen eines sozial isolierten norwegischen christlich-fundamentalistischen Attentäters ja gerade harmlos an. Dabei sagt man, Jesus selbst sei so ein uneheliches Kind gewesen…
Nun existieren Kräfte, die ein Gesellchaftsbild neuer Prägung, die einerseits Kapitalismus und andererseits Säkularisierung mit sich gebracht haben, eine Ordnung geschaffen haben, in der eine Scheidung etwas ganz Normales sein soll.
Dabei stehen gewisse Leute vor dem schwierigen Problem: soll man diese Menschen sozial isolieren, am Scheiterhaufen verbrennen, in den klerikalfaschistischen Terror treiben oder sich selbst ihnen anpassen?
Diebezüglich vertreten Schüller und Schönborn unterschiedliche Meinungen.
Schönborn stellt sich vor, die alte "Ordnung" wiederherzustellen, indem wir uns schnurstracks in Richtung Vergangenheit rückentwickeln.
Auch ich bin Schüller's Meinung, dass wir soziale Gerechtigkeit herstellen müssen. Gerade dazu waren und sind die Errungenschaften gedacht, die wir gegen erbitterten Widerstand der Katholenkirche durchsetzen mussten.
Die großen gesellschaftlichen Fortschritte wie Krankenversicherung, Mindestlohn, Pensionsversicherung, Arbeitslosenversicherung, und vor allem Kinderschutz wurden mit schweren Verlusten für die damaligen und jetzigen Generationen erkämpft. (Wenn man sich anschaut, was jetzt mit Obama los ist, muss man auch erkennen, dass dieser Klassenkampf "leider Gottes" immer noch an vielen Fronten geführt werden muss.)
Hier in Euramiland. Seien sie ganz getrost, mit Schiiten, Anglikanern, Sunniten, Woodoo-Zauber, Wagners Walhalla, Satanisten, Astrologen, Orthodoxen, Hindus, Talmud, und auch mit Protestanten ist das nicht leichter. Eine Konvertierung Schüllers zum Pastafarianismus würde ihm wohl bessere Aussichten eröffnen, seine Ideen zu verwirklichen…
© Richard Kofler August 2011
Bildquelle: Screenshotmontage ZIB ORF2 by R. Kofler
