2011

Zustimmung für Pflichtfach Ethik aus katholischer Kirche

moral-oral

Wien - Nach dem evangelischen Bischof Michael Bünker haben sich nun auch Vertreter der katholischen Kirche für ein Pflichtfach Ethik ausgesprochen. Am Freitag haben die Vorsitzenden der kirchlichen Schulämter, die Arbeitsgemeinschaft der katholischen Verbände Österreichs (AKV) und die Arbeitsgemeinschaft der Religionspädagogen an Unis und Hochschulen eine rasche Einführung des Fachs und eine fundierte Ausbildung der künftigen Ethiklehrer gefordert, berichtet Kathpress.

Aus Sicht der Leiterin des Interdiözesanen Schulamtes, Christine Mann, sei es "an der Zeit, dass sich endlich etwas bewegt in Richtung einer Übernahme in das Regelschulwesen und zuvor einer Vereinheitlichung der Lehrpläne". Es gehe dabei nicht um Konkurrenz zum Religionsunterricht, sondern um "die Ermöglichung von systematischer und dialogisch angelegter ethischer Bildung" auch für Schüler, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen.

Koaltion forciert parlamentarische Enquete

"Mit großem Interesse" reagierte die katholische Kirche auf die Ankündigung des Zweiten Nationalratspräsidenten Fritz Neugebauer (ÖVP), sich für eine baldige Durchführung einer schon länger angekündigten parlamentarischen Enquete zum Ethikunterricht einzusetzen. Diese solle "raschest", am besten noch bis Mitte des Jahres, stattfinden, wird er in der "Presse" zitiert.

SPÖ-Bildungssprecher Elmar Mayer betonte, dass "jederzeit" die im Koalitionsabkommen vereinbarte Enquete stattfinden könne. Dabei seien - unter Einbeziehung der Kirchen und Religionsgemeinschaften - vor allem Fragen zum Verhältnis eines Ethikunterrichts zum Religionsunterricht zu klären. "Bei immer komplexer werdenden Frage- und Problemstellungen, die sich aus den Forschungen in der Genetik, Medizin, Umwelt, Wirtschaft und auch durch Neue Medien ergeben, ist die Auseinandersetzung damit im Unterricht unerlässlich", so Mayer. (APA)
 

Quelle: standard.at

 

Bünker, Kampits und Wagner fordern flächendeckende Einführung des Ethikunterrichts

Schulversuch sollte ins Regelschulwesen übergeführt werden - Angebot speziell für SchülerInnen ohne religiöses Bekenntnis

Wien (OTS/epdÖ) - "Die flächendeckende Einführung eines Ethikunterrichts in der Sekundarstufe 2 des Regelschulwesens" forderte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker auf einer Pressekonferenz am 19. Jänner in Wien. Bünker verwies darauf, dass in Österreich immer mehr Menschen ohne religiöses Bekenntnis lebten. Auch solche SchülerInnen benötigten eine verpflichtende Ausbildung in religiösen und ethischen Fragen. Wie Bünker hervorhob, könne es dabei nicht um eine Wahlmöglichkeit zwischen dem konfessionellen Religionsunterricht und einem Ethikunterricht gehen, sondern um ein Angebot speziell an SchülerInnen ohne religiöses Bekenntnis. Der Bischof, der vor den Journalisten betonte: "Wir sitzen hier auf Initiative der AbsolventInnen der Ethik-Lehrgänge an den Pädagogischen Hochschulen und an der Universität Wien" bedauerte, dass die Fragen nach einem sachgemäßen Lehrplan für den Ethikunterricht und nach den personellen Ressourcen derzeit nicht geklärt seien. "Das kann nicht der richtige Umgang mit einem Fach sein, das in der Verfassung verankert ist", kritisierte Bünker die staatlichen Stellen.
Wie der Alt-Dekan der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft an der Universität Wien, Peter Kampits, unterstrich, sei es wichtig, dass bei der ethischen Bildung der Bevölkerung ohne religiöses Bekenntnis "kein Vakuum" entstehe. Kampits plädierte auf der Pressekonferenz für eine "solide und gediegene Ausbildung" im Fach Ethik an den Hochschulen und an der Universität Wien. Es sei "betrüblich", dass Zusagen von der Politik, den Schulversuch Ethik in das Regelschulwesen zu überführen, nicht eingehalten worden seien. Kampits sprach sich allerdings dagegen aus, dass ReligionslehrerInnen das Fach Ethik unterrichten sollten. Obwohl
beide vieles gemeinsam hätten, sei philosophische Ethik im Unterschied zu religiöser Ethik "rational begründet". Dass der Ethikunterricht zum Religionsunterricht "nicht wirklich eine Alternative" sein könne, betonte der Rektor der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems (KPH), Michael Wagner, bei der Pressekonferenz. Für die KPH handle es sich um ein "schwieriges Thema", allerdings sehe seine Hochschule auch die Verantwortung, SchülerInnen ohne religiöses Bekenntnis "gesellschaftliche und kulturelle Werte" zu vermitteln. Wagner äußerte die Überzeugung, der Ethikunterricht werde den konfessionellen Religionsunterricht "stärken". Der Lehrgang Ethik, den die KPH zusammen mit der Philosophischen Fakultät der Universität Wien angeboten habe, habe "unglaublich positive Rückmeldungen" erfahren.

Quelle: ots.at

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