2011

Vernunft macht einsam

k.A.

Mustafa, so heißt mein Freund, hasst seinen Namen, denn wenn er ihn nennt, denkt sein Gegenüber sofort, dass er Moslem ist. Er möchte nicht als solcher wahrgenommen werden, er ist Atheist und Humanist, darauf legt er großen Wert. In Ägypten kann das mitunter lebensgefährlich sein, zumal wenn man wie Mustafa mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält.
Zusammengeschlagen wurde er schon einmal, weil er in einem Gespräch mit Muslimen geäußert hat, dass der Koran ein lächerliches Buch ist. Bedroht wird er fast täglich.

Mustafa hat große Pläne für die Zukunft: er möchte in einem Land leben, wo er nicht 5mal am Tag den Muezzin hören muss, wo es erlaubt ist, philosophische Diskurse ohne den Koran führen zu können, ohne dabei jedes Mal befürchten zu müssen, dass Schläger auf ihn angesetzt werden ( „ Sittenpolizei“ )
Er möchte mit seiner Freundin Hand in Hand auf der Straße spazieren können und sie küssen, wenn ihm danach ist und nicht, wenn es niemand sieht. Er möchte auch nicht, so wie es ihm sein Vater geraten hat, eine dumme Frau heiraten, „denn die sind leichter zu führen“ !Mustafa will eine kluge Frau, eine Frau, die selbstbewusst und emanzipiert ist, denn nur so sieht er gewährleistet, dass er kluge Kinder hat, die so wie er alles sehr kritisch hinterfragen.

Es schmerzt ihn, wenn er verhüllte Frauen sieht, er möchte Aufklärung und Humanismus in die Köpfe seiner weiblichen Landsleute tragen, denn, wie er sagt „ die Frauen sind unsere Zukunft , nur wenn der Staat sie gut und umfassend ausbildet, ist gewährleistet, dass dieses Land eine Zukunft ohne religiöse Gehirnwäsche hat !“
Er ist zutiefst davon überzeugt, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte haben müssen, dass es ein Verbrechen ist, Frauen nur auf Gebären und Gehorchen zu reduzieren.

Mustafa träumt von einem Ägypten, in dem es in Schulen keinen Koranunterricht gibt sondern Ethikunterricht (diese Debatte führen wir sogar in Österreich noch), in denen der Koran als eines von vielen Büchern vorgestellt wird und nicht als DAS Buch, in denen vom Menschen berichtet wird als Teil der Evolution und nicht als Gottes Geschöpf , von Schulen, in denen Sexualität und Verhütung den jungen Menschen nicht als Teufelszeug vorgelegt wird und in denen Mädchen und Jungen wie selbstverständlich nebeneinander unterrichtet werden.
Mustafa hat auch kreative Ideen zur Verwertung der Moscheen, die ja dann obsolet wären: Coffeshops, Bars, Diskotheken, Bordelle, ….

Letztendlich will mein Freund aber nur eines: nämlich offen über alles reden dürfen, ein würdiges Leben in Freiheit ohne Religion!


Anmerkung: Mustafa ist keine Fiktion, es gibt ihn wirklich. Ein wunderbarer junger Mann mit erstaunlichen Ansichten in einem Land, das zu 90 % muslimisch ist!

Edith Bettinger (Board Member)

 

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