2011

Kardinal Meisner und die Perversion des Denkens

Meisner

Ein Kommentar von Bernd Vowinkel.

In einem Artikel bei Welt-Online wendet sich Kardinal Meisner gegen die aktuelle Diskussion zur Legalisierung der Sterbehilfe. Er sieht darin eine Perversion christlichen Denkens:

Aktive Sterbehilfe wird als Erlösung, als barmherzige Tat dargestellt. Das ist Perversion christlichen Denkens. Kein Wort mehr von einer Ethik des Leidens oder gar vom „Heil bringenden Schmerz“.

Genau diese Worte zeigen aber, dass die Perversion des Denkens bei Meisner selbst liegt. Eine Verherrlichung des Leids ist geradezu der Gipfel der Perversion. Als genau passendes Beispiel weist er auf das Werk von Mutter Teresa hin:

Mutter Teresa nannte das Haus, in das sie und ihre Schwestern die Todgeweihten aus den Gossen Kalkuttas brachten, das Sterbehaus. In diesem Hospiz pflegten und segneten sie die Sterbenden. Mit diesem Segen selbstloser Liebe verliehen sie der menschlichen Würde den Glanz einer Wahrheit, den der Gesundheitsbetrieb heute nicht mehr wahrhaben will. Mutter Teresa erhielt dafür einst den Nobelpreis.

Die „Nächstenliebe“ der Mutter Teresa bestand aber in der Kultivierung des Leids und nicht in dessen Beseitigung. Bezeichnend ist ihre Bemerkung:

„Es ist etwas sehr Schönes, wenn man sieht, wie die Armen ihr Kreuz tragen. Wie die Passion Christi, ist ihr Leid ein großes Geschenk für die Welt“.

Das zeigt eine zutiefst menschenverachtende, klammheimliche Freude am Leid anderer Menschen. Eventuell gar eine Spielart des Sadismus. Das Hauptziel von Mutter Teresa war die Missionierung zum Christentum und dahinter trat die notwendige medizinische Versorgung ihrer Patienten, oder sollte man besser sagen Opfer, vollkommen zurück. Die Spenden für ihren Orden sind zu einem erheblichen Teil bei der Vatikanbank gelandet. Nach ihrem Tod sind in ihren Sterbehäusern große Mengen schmerzstillender Mittel gefunden worden, die sie den Kranken vorenthalten hatte. Der von ihr gegründete Orden arbeitet mit den gleichen Methoden weiter.

Die Verlängerung völlig sinnlosen Leids ist kein Akt der Nächstenliebe, sondern das Gegenteil. Mit dem Artikel bei Welt-Online ist eine Leserbefragung zur Legalisierung der aktiven Sterbehilfe verbunden. Etwa zwei Drittel der Leser sind dafür. Andere Umfragen zeigen ähnliche Ergebnisse. Es ist zu hoffen, dass hier der Gesetzgeber bald eine vernünftige Lösung findet. Dabei muss natürlich Vorsorge getroffen werden, dass mit der Legalisierung der Sterbehilfe kein Missbrauch getrieben wird.

Im Zentrum einer gesetzlichen Regelung sollte das Selbstbestimmungsrecht des Menschen stehen und nicht abstruse Weltanschauungen, die im Mittelalter stehen geblieben sind. In Ländern mit einer fortschrittlichen Regelung wie etwa der Schweiz oder der Niederlande ist die Suizidrate keineswegs aufgrund der Legalisierung der Sterbehilfe angestiegen. Selbst für die gesunden Menschen ohne Suizidabsichten kann die Aussicht auf einen würdigen Tod ohne großes Leid ein Stück Lebensqualität darstellen. Daneben ist der weitere Ausbau von Sterbehospizen natürlich sehr zu begrüßen, aber auch dort sollte der Wille des Patienten immer an erster Stelle stehen. Um das Leben auf unserem Planeten lebenswerter zu machen, brauchen wir keine „Heiligen“ wie Mutter Teresa und schon gar keine erzkonservativen Vertreter naiver Heilsgeschichten.

Quelle: hpd.de.

Bildquelle: Wikipedia

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