2011

KAHLSCHLAG IN DER KULTUR

k.A.

Lutz Musner hat nach seinem Philosophiestudium in Österreich und den USA in zahlreichen Institutionen der Wissenschaft (u.a. Österreichische Rektorenkonferenz, Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung) gearbeitet, und ist nach seiner Habilitation (über ein Wiener Thema!) jetzt leitend in einem der letzten freien Forschungsinstitute Österreichs sowie an der Freien Universität Berlin tätig.
Er ist einer DER europäischen Spezialisten für die zahlreichen neuen „Theorien“ (mit und ohne Gänsefüsschen), die nach der Verbannung der linken Ideen in den letzten zwei Jahrzehnten zum Mainstream in den kulturwissenschaftlichen Instituten der Universitäten geworden sind, sie werden oft als postmodern bezeichnet. Diese (in sich natürlich hochpolitische) Vereinnahmung hat dazu geführt, dass kulturelle und soziale Fakten – auch in der Forschung - vielfach NICHT mehr als veränderbar, sondern nur mehr als Phänomene begriffen werden, die scheinbare A-Politisierung der wissenschaftlichen Problemstellungen bedingte mit eine Entpolitisierung weiter Teile der Studierenden.
Musner, ein Analytiker und wacher politischer Geist, stellt sich in seinen Publikationen gegen dieses Gedankengut. Er begreift „Kultur als Textur des Sozialen“ (so der Titel eines seiner Bücher) und verweist stets darauf, was das „Fressen mit der Moral“ (cit. Brecht) zu tun hat. Als Direktor eines Forschungsinstituts ist er auch mit den praktischen Folgen des „Kahlschlags in der Kultur“ konfrontiert, mit einer konservativen „Forschungs“-Politik, die mehr Energie in die Abwehr von angeblich zu vielen StudentInnen (bei einer für westliche Länder unterdurchschnittlichen Akademikerrate Österreichs von 15 %) steckt, anstatt sie für die Förderung der Forschung zu verwenden.

Text: Fritz Gamperling

Bild: Antiglob rostock 2 6 07.jpg CC-by-sa/3.0 by commons.wikimedia/User: Herder3 

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