2011

Glaube und Gewalt ist ein stringentes Beziehungkontinuum,

k.A.

Anders als die meisten trägen Österreicher, ist Anders Breivik konsequent. Das ist das einzige, was ihn unterscheidet von uns. Der Absolutismus der Wahrheitsfindung und Realtitätsverarbeitung trägt unwideruflich den Keim der Gewalt in sich. Wenn in einer vernünftigen Welt z.B. ein Wissenschafter den anderen mit Argumenten überzeugt, schlägt ihm der andere nicht den Kopf ein, sondern beglückwünscht ihn.
Es gibt in meinen Augen nur eine, noch dazu mühevolle Strategie unter dem Schlagwort „Religöse Abrüstung“. In unserer globalisierten Welt gibt es keine Möglichkeit mehr, unsere Gesellschaft nicht zu mischen. Menschen kommen ja auch vor allem des wegen, weil wir sie brauchen. Aber wir können verlangen, dass Religion nicht öffentlich stattfindet und religiöse Vorschriften und Riten der gesellschaftlichen Ordnung absolut untergeordnet werden. Wenn wir selbst Religion statt Aufklärung leben, dann wird der „Fremde“ dies zwecks Identitätsfindung erst recht machen. Religiösen Riten, vor allem moslemische, erscheinen uns oft mittelalterlich. Das ist der Kern der Sache: Toleranzabbau gegenüber den Religionen, aber volle Achtung und Integration des „Fremden“ als Mensch in unserer Gesellschaft. Keine Achtung vor allem gegenüber den Riten, die den Menschenrechten widersprechen, wie Beschneidung und Zwangsverheiratung. Toleranzbeschränkung auf Religion im Privaten. Es darf keine Blankowechsel geben für Migranten in unserer Gesellschaft.
Das müssten auch und gerade die Grünen einsehen. Wenn sie, in deren Programm Religion nicht einmal vorkommt, sich ein wenig mutiger dazu bekennen würden, dass Religion der eigentliche Problemgenerator ist, würden wir wenigstens eine politische Kraft haben, die vernunftmäßig vorgeht und nicht emotional. Die Sozialdemokraten wären die logische, zentrale humanistisch orientierte Aufklärungspartei, aber sie fühlen sich noch als Großpartei und knicken daher vor der Kirche ein. Die Macht der Kirche ist ungebrochen, auf unsere Geldsäckel (Regierungsentscheid über Absetzbarkeit), auf unsere Medien, auf unsere Kinder (Ethikunterricht verpflichtend mit Religionslehrern), auf unsere Politik (Spindelegger als Ritter vom heiligen Grab). Überall, wo Kirche herrscht, beginnt Eiferertum und Heuchelei. Was am schlimmsten ist: Es herrscht Verwirrung! Von klein auf werden Kinder mit den Verbiegungen des Geistes in der Religion so fertig gemacht, dass sie als Erwachsene nicht mehr bestimmte Wahnvorstellungen wie Leben nach dem Tod usw. ablegen können. Goethe abgewandelt: Das Floskelhafte (z.B. „Wir wollen Jesus nachfolgen!“) – es zieht uns hinan! Wenn diese verwirrten Geister mit permanenter Sinnkrise und Sinnsuchwahn dann mit Gewaltvorstellungen nicht mehr zimperlich umgehen, wie es zumindest in der katholischen Kirche normal ist und den für Religionen typischen Stammesdenken (tribal thinking) anhängen, ist Gewaltanwendung auch nicht mehr weit. Wo das endet, bekommen wir dieser Tage drastisch vorgeführt.
Einen Waffenschein für Religionen!

© Dr. Gerhard Engelmaier, 2011-08-03

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