2011

Die Vorfahren Gottes

k.A.

So ein Gott hat natürlich auch Vorfahren, denn jeder hat Vorfahren. Bereits lange vor Jesu Geburt glaubten die Menschen an Götter, hatten religiöse Vorstellungen und Riten. Alles, was man nicht oder noch nicht erklären konnte, wurde als göttlich, weil offenbar von einem Gott kommend, interpretiert. So wurden etwa Naturgewalten personifiziert. Wenn es donnerte, dann grollte der Gott des Donners. Es gab eine Göttin der Morgenröte, einen Sonnengott, einen Gott des Mondes und viele andere mehr. Dabei war die Lebens- und Leidensgeschichte von Jesus beileibe nichts Neues. Denn zwischen den alten Überlieferungen und den weitaus späteren christlichen Legenden gibt es viele Übereinstimmungen, weil die christliche Lehre und der christliche Kult häufig von älteren Religionen übernommen wurden.

Nach der Lehre des altpersischen Propheten Zarathustra schuf die Gottheit Ahura-Mazda die Erde, die Pflanzen, die Tiere und den Menschen. Den Anfang bildete dabei ein Menschenpaar, das in einem Paradies lebte. Da Ahura-Mazda aber mit seinen Geschöpfen nicht zufrieden war, schickte er eine Sintflut, um sie wieder zu vernichten. Er hatte einen Widersacher mit Namen Ahriman, der auf der Welt das Böse vertrat. Wie der Teufel in der christlichen Lehre war er ein gefallener Engel. Liest man das Alte Testament, kommt einem das bekannt vor. Nur der Name der Gottheit wurde von den Christen durch den Namen Gottvater ersetzt. Die Götter der Welt hatten für unsere Erde ersichtlich denselben Bauplan, leider kam ihnen dann die Evolution dazwischen. Am Ende aller Zeiten verhieß Zarathustra ein Weltgericht, bei dem die Toten wieder auferstehen sollten. Sofern jemand zu Lebzeiten gut wäre, hätte er vom Weltgericht nichts zu befürchten und würde ins Paradies aufgenommen werden. Andernfalls würde er in die Hölle kommen. Die Christen haben später dieses Weltgericht in das Jüngste Gericht umbenannt, alles andere haben sie so belassen.

Das Leben des sumerisch-babylonischen Fruchtbarkeitsgottes Tammuz verlief, lange vor Beginn unserer Zeitrechnung,  durchaus ähnlich wie das von Jesus, von dem uns die Evangelien berichten. Er wurde von einer Jungfrau geboren, die mit einem alten Ziehvater zusammen lebte, der nicht Josef hieß, und seine Geburt fand in einem Notquartier statt. Ob das etwa ein Stall war? Eltern und Kind wurden danach verfolgt und flohen, trotzdem musste der Sohn sterben. Wie bei Jesus.
Auch der babylonische Gott Marduk wurde, wiederum  lange vor Jesus, gefangen genommen, verhört, und zusammen mit einem Verbrecher hingerichtet. Oder der römische Gott Mithras, der persischen Ursprungs war. Er wurde im 3. Jahrtausend v. Chr. als Sohn eines himmlischen Vaters ebenfalls von einer irdischen Jungfrau geboren und nach seiner Geburt zunächst von Hirten verehrt, wie Jesus. Auch seine Familie musste fliehen. Nachdem er gekreuzigt worden und zu Ostern wieder auferstanden war, fuhr er in den Himmel. Wie Jesus. Die Anhänger von Mithras glaubten an eine Sintflut, die zu Beginn der Zeit alles Leben auf der Erde auslöschte. Danach kam ein Neuanfang. Sie glaubten ferner, dass die Seele des Menschen unsterblich sei, und die Toten am Ende aller Zeiten bei einem Jüngsten Gericht auferstehen würden. Die heutigen Christen glauben das auch.

Der Mithraskult kannte 7 Sakramente, wie später die katholische Kirche, darunter Taufe, Firmung und eine Kommunion, die auf das letzte Abendmahl von Mithras zurückgeht. In den Evangelien lesen wir gleichfalls von einem letzten Abendmahl Jesu. Und andere Götter wurden wie Jesus gekreuzigt, so Dionysos, Lykurgos und Prometheus. Da musste Jesus ja dasselbe Schicksal ereilen. Denn waren die Götter der Welt nicht gerade im Himmel, hatten sie hier unten oft auf ähnliche Weise zu leiden. Leiden durch Menschen, die sie als Gott eigentlich beherrschen sollten. Aber auf Erden ist das vermutlich nicht so einfach.

Diese Parallelen zu dem in den Evangelien beschriebenen Lebensweg von Jesus können kein Zufall mehr sein. Die »frohe Botschaft«, die in den Evangelien verkündet wird, kann getrost um einige Tausend Jahre vorverlegt werden, denn viele Ideen für diese Botschaft entnahmen die Evangelisten, wie unschwer zu erkennen ist, den Religionsmythologien längst vergangener Zeiten. Wie wir wissen, waren allerdings all diese Götter und damit ihre Lebensgeschichten pure Erfindungen der Menschen, die Kirche wird hierbei nicht widersprechen. Wenn jedoch die Evangelien den Lebensweg eines Jesus beschreiben, der in vielen Details mit den Lebenswegen dieser Götter übereinstimmt, dann muss der so beschriebene Jesus ebenfalls eine Erfindung sein. Es geht nicht darum, ob der Mensch Jesus wirklich gelebt hat, das soll hier gar nicht diskutiert werden, sondern es geht allein darum, dass sich die christliche Religion demnach aus erfundenen Erzählungen der Evangelien ableitet. Bis heute bezieht sich die christliche Kirche auf Geschichten, die, und das ist der logische Schluss aus den hier aufgezeigten Parallelen, nichts als Märchen sind. Und Märchen erzählt man kleinen Kindern, nicht Erwachsenen. Nach alledem hat die historische Wahrheit der Evangelien mit Wahrheit nicht viel zu tun. Ist dies das Fundament einer Weltreligion? Vielleicht wird ja diese Weltreligion in 2000 Jahren von dem Mithrasglauben abgelöst. Dann ist Mithras wieder der einzig wahre Gott, wie schon einmal. Und den Gott der Christen gab es natürlich nicht, der gehört zur Religionsmythologie.

Prof. Dr. Uwe Hillebrand

 

Die verwendete Literatur kann beim Autor erfragt werden.

Originalartikel: erschienen am 19.01.2012 auf  www.wissenbloggt.de


Bild: Mithrasrelief von Neuenheim, 2. Jhrdt . Badisches Landesmuseum Karlsruhe / cc-by-sa - Thomas Ihle at de.wikipedia.org

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