2011
Der verlorene Sohn
Es ist schon schwierig genug mit Katholiken zu debattieren, aber wer schon einmal versucht hat, Moslems argumentativ zu überzeugen, dass sie ihr ganzes Leben einer Märchenfigur unterwerfen, weiß, was Kampf der Worte bedeuten kann.
Mustafa aus dem Norden Ägyptens macht das täglich und ich bewundere ihn dafür. Er hat verschiedene Ansätze, um seinen Verwandten und Bekannten die Unsinnigkeit ihrer „Unterwerfung unter Gott“ (die eigentliche Bedeutung des Wortes Islam) vor Augen zu führen.
Heute hat er mir eines dieser Gespräche übermittelt – ich erlaube mir, es Ihnen in deutscher Übersetzung nahe zu bringen.
Übersetzung !! höre ich schon die Einwände, aber dieses Glaubwürdigkeitsproblem hat schon die Bibel, Sie müssen mir einfach vertrauen, schließlich habe ich ja nicht vor, eine Religion zu gründen!
In geselliger Runde, unter „I am proud to be a muslim“ Landsleuten, stellte er folgende Frage:
Stellt euch vor, ihr findet ein hilfloses Kind am Straßenrand. Niemand kümmert sich um ihn (es muss natürlich ein Junge sein) und er weint herzzerreißend. Ihr könnt das nicht ertragen und nehmt ihn mit nachhause. Ohne Probleme wird er in die Familie aufgenommen, eure Frau und die Kinder lieben ihn und so wächst er heran. Es gibt keinen Grund zur Sorge, ihr investiert natürlich auch Geld in ihn (was wichtig ist für den weiteren Verlauf der Geschichte) und alles scheint perfekt. Inshallah.
Eines Tages steht der Junge vom Tisch auf, verabschiedet sich und macht sich auf den Weg.
Ihr werdet ihn nie mehr wiedersehen, es ist ein Abschied für immer!
Wie werdet ihr reagieren? Was würdet ihr denken und sagen?
Die Antworten waren unterschiedlich: „ Ich werde weinen, er hat mein Herz gebrochen“
„ Ich werde ihn verfluchen auf Lebenszeit“ „Ich werde traurig sein, aber es ist seine Wahl“.
Jeder der Anwesenden hatte eine andere Antwort und dann sagte Mustafa:
„Seht ihr, jeder von euch hat seine Art, mit dieser Enttäuschung umzugehen, aber keiner würde ihn verbrennen, wie es Allah für solche Abtrünnige in der Hölle vorgesehen hat! So einem rachsüchtigen Gott ordnet ihr euer Leben unter? Habt ihr darüber schon mal nachgedacht?“
Auf diese Fragen bekam Mustafa keine Antwort. Um die Lage nicht zum Kippen zu bringen, begann man wieder mit männlichem Smalltalk und das Thema war vom Tisch! Al hamdullilah,
diesmal hat er seine „Provokationen“ ohne körperliche Gewalt überstanden.
Das ist nur eine von vielen Geschichten meines ägyptischen Freundes, und es werden täglich mehr, fast könnte man sagen, alf leila we leila (1001 Nacht) für Aufklärer und Hobbyphilosophen!
Edith Bettinger
