2011

Der norwegische Attentäter

k.A.

Er sei christlicher Fundamentalist, versicherte uns unser ORF in mannigfaltigen Nachrichtensendungen. Offensichtlich läßt die "Heiligste aller Schriften" (nicht nur diese, sondern natürlich auch der Koran!) ausgesprochen viel Interpretationsfreiraum, sodass nicht nur die derzeit en vogue befindlichen gängigen Auslegungsvarianten: die dem Machterhalt des Kapitals dienende heuchlerisch-friedvolle, die märchenhaft-metaphorisch-wundergläubig-mirakelhaft-naive und die päderastisch-repressiv-perverse, sondern eben auch die terroristisch-totalitär-monströs-horrorbrutale zur Anwendung gelangen.
In unseren Jugendtagen erzählte man uns, diese Interpretationsform hätte es nur im finsteren Mittelalter, zu Machtzeiten der Inquisition und bei der Niederschlagung der Bauernaufstände gegeben – falls man dieses Thema überhaupt genug wichtig erachtete, es am Rande zu tangieren – soweit möglich haben Religions- und Geschichtsunterricht wohlweislich darüber geschwiegen. Über diesbezügliche neuzeitliche Praxis wurden wir jetzt auf intensive und leidvolle Art eines Besseren belehrt.

© Richard Kofler / 2011

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