2010
Schottland: Schon zwei Millionen sind gottlos glücklich
Dass ein erfülltes und glückliches Leben ohne Gottglauben und andere religiöse Vorstellungen möglich ist, stellen auch immer mehr Menschen in Schottland fest. Deshalb starteten die schottischen Humanisten in der vergangenen Woche eine Werbekampagne für ihre gemeinsamen Überzeugungen. „Zwei Millionen Schotten sind gut ohne Gott“, lautet der aktuelle Slogan ihrer Aktion. In Schottland wohnen rund 5 Millionen Menschen. Die schottischen Humanisten gehen derweil davon aus, dass die Zahl humanistischer Hochzeiten in diesem Jahr die Zahl ihrer katholischen Pendants übertreffen wird. (wissenrockt.de)
Zunehmend mehr Menschen würden sich mit humanistischen Werten identifizieren, erklärte Juliet Wilson von der Humanist Society Scotland. Seit humanistische Hochzeiten im Juni 2005 gesetzlich zugelassen wurden, sei die Zahl der Mitglieder der Vereinigung auf das Siebenfache gewachsen. Für das laufende Jahr geht Juliet Wilson davon aus, dass es mehr humanistische Hochzeiten als katholische Eheschließungen geben wird.
Am Beginn der vergangenen Woche wurde deshalb eine Werbekampagne in die Öffentlichkeit gebracht, die offen auf die wachsende Zahl der Menschen unter den Einwohnern Schottlands hinweisen soll, welche sich humanistischen und säkularen Ideen und Werten verbunden fühlen. Dazu enthüllten sie unter anderem eine große Reklametafel mit ihrem Slogan in Glasgow, wo der Papst während seines umstrittenen Staatsbesuchs im Vereinigten Königreich gestern Station machte um für die katholische Kirche und ihre Religion zu werben.
Die säkulare Bevölkerung Schottlands hat daran wenig Interesse. Die gemeinsame Auffassung der Humanisten: Religion ist nicht notwendig, um das eigene Leben glücklich und erfüllend zu gestalten. Ethische Werte können auch ohne Rückgriffe auf problematische Annahmen wie Gottesvorstellungen und andere religiöse Anweisungen entwickelt und gelebt werden.
Die rund zwei Millionen britischen Humanisten hoffen nun darauf, dass sie mit ihrer Werbeaktion mehr Menschen ermutigen können, sich stärker und bewusster mit säkularen Ideen zur eigenen Lebensgestaltung auseinanderzusetzen, um sich vielleicht schließlich als Humanistinnen oder Humanisten identifizieren zu können.
Juliet Wilson von der Humanist Society Scotland ist überzeugt, dass weiteres Potential dafür vorhanden ist: Aus aktuellen Umfragen weiß sie, dass 80 Prozent der Schotten mit den von den Mitgliedern der Humanist Society Scotland geteilten Vorstellungen übereinstimmen. Etwa zwei Drittel wären laut den Schätzungen der UN-Berichterstatterin Asma Jahangir im Jahr 2009 klar nichtreligiös eingestellt gewesen. Ähnlich ist die Situation in Deutschland, wo aktuelle Studien der Forschungsgruppe fowid herausgefunden haben, dass vergleichbar viele Menschen die zentralen Positionen einer säkularen, religionsfreien und humanistischen Weltanschauung teilen.
Aber für Wilson herrscht nicht nur eitel Sonnenschein: Der Papst sei bei seinem Besuch Schottlands zwar als Privatperson willkommen, betonte Juliet Wilson. Sie schloss sich dabei der entschiedenen Kritik anderer säkularer Organisation im britischen Königreich an: Ein Staatsbesuch sei für Joseph Ratzinger unter anderem deshalb nicht angemessen, weil dieser demokratische Strukturen und wichtige Menschenrechte ablehnt. Der Vatikan hat bis heute nicht die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnet, erklärte Wilson.
Die nun initiierte Werbekampagne solle aber nicht nur andere Menschen ermutigen, sich für humanistische und säkulare Ideen zu interessieren. Die britischen Humanisten wollen auch dem Papst und der Regierung deutlich machen, dass religiöse Ansichten nicht den Vorstellungen der meisten Einwohner Schottlands entsprechen. Die Unterstützung religiöser Gruppierungen seitens der Politik sei außerhalb jeden angemessenen Verhältnisses, stellte Juliet Wilson fest.
Zeitgleich haben die britischen Humanisten eine Internetseite online gestellt, auf der weitere Informationen im Zuge der Kampagne veröffentlicht werden sollen. Zudem wollen man vor dem nächsten Zensus im Februar 2011 daran erinnern, dass säkulare Menschen auf den Fragebögen ihre nichtreligiöse Einstellung eindeutig zum Ausdruck bringen: „Wir werden Sie daran erinnern, einen großen Haken in das Konfessionsfreien-Kästchen zu machen“, so Juliet Wilson.
Quelle: http://www.wissenrockt.de/2010/09/18/schottland-schon-zwei-millionen-sind-gottlos-glucklich/
