2010
Religionsunterricht aus ethischen Gründen
Ethikunterricht statt Freistunde gefordert
Immer mehr Jugendliche melden sich vom Religionsunterricht ab. Familienlandesrätin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) fordert für diese Schüler einen verpflichtenden Ethikunterricht statt der Freistunde bisher.
Orientierung und Werte für Jugendliche
Rund 85.000 Schüler besuchen allein in der Diözese St. Pölten Pflicht- und weiterführende Schulen. 90 Prozent dieser Schüler sind katholiken(sic!). Doch gerade in den Ballungsräumen melden sich immer mehr Oberstufenschüler vom Religionsunterricht ab.
In manchen Regionen haben bis zu 30 Prozent von ihrem Recht auf Abmeldung Gebrauch gemacht und genießen eine Freistunde. Doch gerade der Religionsunterricht vermittle, wie kein anderes Schulfach, Werte und Orientierung, so Familienlandesrätin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP).
200 Schulen bieten Ethikunterricht an
Um den Jugendlichen dennoch die Chance auf moralische Orientierung zu bieten, fordert Familien-Landesrätin Johanna Mikl-Leitner einen verpflichtenden Ethik-Unterricht statt dieser Freistunde.
Sie verweist darauf, dass bereits an 200 Schulstandorten in Österreich versuchsweise Ethikunterricht angeboten wird, der von Eltern, Schülern und Lehrern durchaus positiv angesehen werde, so Mikl-Leitner.
Katholische Kirche ist gefordert
Sie sieht aber auch die katholische Kirche gefordert: Einerseits soll sie einen attraktiven Religionsunterricht anbieten und andererseits soll sich die Kirche als Verbündete stark machen für den Ethikunterricht.
Quelle: ORF NÖ
Reaktion von Dr. Ronald Bilik, Stellvertretender Vorsitzender des Freidenkerbundes:
Sehr geehrtes Redaktionsteam,
mit Erstaunen habe ich die Argumentation von Frau Mikl-Leitner vernommen. Wie kommt sie auf die Idee, dass der Religionsunterricht moralische Werte vermitteln würde? Unsere Gesellschaft wird von säkularen Werten, wie etwa den Menschenrechten bestimmt. Die Europäische Deklaration der Menschenrechte ist vom Vatikan bis heute nicht ratifiziert worden. Es ist doch ausgesprochen absurd (um nicht zu sagen ein Schildbürgerstreich), gerade jener Institution die Vermittlung der Werte anzuvertrauen, die diese ablehnt. Frau Mikl-Leitner ist hier offenbar Opfer des Religionsunterrichtes geworden, den sie nun propagiert. Vielleicht nimmt der ORF diese offensichtlichen Bildungslücken unserer Politiker zum Anlass, um endlich differenzierter über Religionen zu berichten. Es wäre schön, wenn die bestehenden Vorurteile abgebaut werden könnten.
Mit bestem Gruß
Dr. Ronald Bilik
Freidenkerbund Österreich
