2010
Offener Brief der Initiative Religion ist Privatsache im Standard
Religiöse Erziehung unter dem Kreuz in öffentlichen Kindergärten und Schulen:
So sieht eine Trennung von Staat und Kirche NICHT aus!
Das Anbringen von religiösen – und zwar so gut wie ausschließlich christlichkatholischen – Symbolen in österreichischen ÖFFENTLICHEN Einrichtungen ist landesweit üblich und teilweise auch gesetzlich angeordnet. Ebenfalls gesetzlich angeordnet ist die Vermittlung von religiösen Inhalten in ÖFFENTLICHEN Kindergärten und Schulen. Die österreichische Verfassung garantiert unmissverständlich die Glaubensfreiheit ALLER Menschen und ermöglicht es JEDER Person, ihr Leben gemäß der eigenen Weltanschauung zu gestalten, und Eltern, ihre Kinder konfessionell – oder auch konfessionsfrei – zu erziehen. Das Recht auf freie Religionsausübung geht jedoch Hand in Hand mit dem Recht FREI VON Religion leben zu dürfen. Das Kreuz ist ein eindeutig christliches Symbol. Für die einen verkörpert es Liebe und Hoffnung, für viele andere jedoch den Macht- und Hegemonieanspruch der katholischen Kirche, Jahrhunderte der Zwangsmissionierung, Inquisition und Unterdrückung des Individuums. Die gesetzlich angeordnete Anbringungspflicht von Kreuzen bzw. Kruzifixen in ÖFFENTLICHEN Kindergärten und Schulen stellt eine grobe Einmischung des Staates in privaten Belangen dar. Personen, die ihre Kinder nicht „unter dem Kreuz“ erziehen wollen und sich keine einseitige religiöse Prägung ihrer Kinder seitens des Staates wünschen, werden durch diese Regelungen diskriminiert; schließlich steht es jedem offen, seine Kinder in konfessionellen Einrichtungen, die allerdings ebenfalls von der öffentlichen Hand mitfinanziert werden, nach Belieben erziehen zu lassen. Die gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften Österreichs – allen voran die katholische Kirche – genießen einen gesetzlich privilegierten Status und jährlich üppige öffentliche Zuwendungen und Subventionen. Gerade deshalb haben ÖFFENTLICHE Kindergärten und Schulen frei von Religionszwang zu sein; diese Einrichtungen haben sich vordergründig auf die Vermittlung von WISSEN – und nicht GLAUBE – in einem religionsneutralen Umfeld zu konzentrieren. Schließlich ist Österreich kein christliches Land, sondern eine pluralistische Demokratie nach abendländisch-aufgeklärtem Vorbild, in der die Grundrechte in der Verfassung verankert sind und Christen lediglich die Mehrheit bilden.
Unterschrieben wurde der Brief von
Gerhard Haderer | Christian Ludwig Attersee | Klaus Werner-Lobo | Robert Menasse | Günther Brus | Heinz Oberhummer | Renée Schroeder | Thomas Glavinic | Robert Misik | Anton Szanya | Gerhard Streminger | Niko Alm | Ronald Bilik | Christoph Baumgarten | Sepp Rothwangl
und über hundert weiteren Personen.
