2010
Minarett Diskussion: Shakfeh distanziert sich erneut von Aleviten
Am 13.9. wurde beim Standard-Montagsgespräch das Thema Minarett und Islam diskutiert. Hier die Zusammenfassung. (das Biber)
Bei freiem Eintritt konnte man unter der Moderation von Gerfried Sperl im Haus der Musik der Diskussionsrunde mit folgenden Diskutanten lauschen:
Alev Korun Integrationssprecherin Grüne
Otto Brusatti Autor, Regisseur
Michael Bünker Bischof der evangelischen Kirche AB in Österreich
Anas Schakfeh Präs. d. Islamischen Glaubensgemeinschaft
Thomas Schmidinger Politikwissenschafter, Universität Wien
Zwei Stunden lang wurde das Thema Minarett und Islam diskutiert. Hier die Zusammenfassung:
Alev Korun: Sie kritisierte ,dass die ganze Diskussion rund um die Minarette von den richtigen Problemen ablenken würde. Diese wären Arbeitslosigkeit und Mängel in der Ausbildung. Außerdem existiere kein einheitliches Moslembild (In Ö leben über 500.000 Moslems, wobei die Hälfte von ihnen österreichische Staatsbürger seien) Das Bild der Moslems in den Medien wäre immer dasselbe: verschleierte Frauen im Park und bärtige, betende Männer. Dies würde ein verzerrtes Bild der Moslems in den Köpfen der Menschen manifestieren. SIe sprach sogar von "Taufscheinmoslems", wissend, dass es im Islam keine Taufe gibt. Dennoch vergleicht sie diese mit den "Taufscheinchristen", für welche die Religion im Alltag keine Rolle spiele. Es wäre falsch, alle Moslems über einen Kamm zu scheren.
Otto Brusati: Er habe sich des Öfteren in moslemischen Ländern aufgehalten und teilte die Erfahrungen, die er da machte mit dem Publikum. Kernaussage: Während die christliche und die jüdische Religion recht offen auf Andersgläubige zugehen, würden sich Moselms von der Außenwelt abschotten. Er habe mehrmals versucht, in Wiener Moscheen Fragen auf seine Antworten zu finden oder einfach nur bei der Verrichtung des Gebets zuzuschauen. Er sei jedes mal auf Abwehr und Vorschriften gestoßen. Das islamische Zentrum im 20.Bezirk habe ihn abgewiesen, da nur Frauen zugegen waren und Männer daher unerwünscht.
Bischof Bünker: Betonte, dass Religion und ihre Ausübung ein Grundrecht wären und kritisierte, dass Österreichs Politiker und Journalisten nicht kompetent sind, wenn es um Religion geht.
Thomas Schmidinger war der stärkste in der Runde. Seine Argumentationsweise und Statements sorgten mehrmals für Applaus und zustimmendes Kopfnicken im Publikum. Vor allem seine harsche Kritik an Anas Shakfeh wurde lautstark unterstützt.
Einige seiner Aussagen: Der sunnitische Islam nach Saudi Arabischem Vorbild stünde im Vordergrund. Diese Form des Islam, welche den fundamentalistischen Moslembrüdern nahe stehe, sei die reaktionärste Form des sunnitischen Islam und gehöre vor allem in Österreich zur Minderheit. Dennoch wäre gerade diese Form im Gegensatz zur schweigenden Mehrheit sehr sichtbar. Das würde das Bild des Islam verzerren. In der Öffentlichkeit stoßen laut Schmidinger zwei reaktionäre Formen aufeinander: Der politische Islam und der österreichische Alltagsrassismus. Er sei gegen eine Monopolisierung des Islam. So sollten auch die Aleviten selber entscheiden dürfen, ob sie sich nun als Moslems sehen oder nicht.
Daraufhin meinte Shakfeh: "Von den Aleviten trennen uns grundsätzliche Unterschiede. Die Juden und die Christen stehen uns viel näher, als die Aleviten. Wir unterstützen, dass den Aleviten eine eigene Glaubensgemeinschaft zugesprochen wird."
Darauf folgten Zwischenrufe aus dem Publikum. "Stimmt nicht" und "Das ist eine Lüge" war zu hören. Mittendrin ein Mitglied des Alevitenvereins Mozaik, der seit geraumer Zeit für eine rechtliche Anerkennung des Alevitentums und somit für eine islamisch-alevitische Glaubengemeinschaft kämpft, diese aber von der IGGÖ verhindert wird.
Im Großen und Ganzen waren sich alle einig, dass Minarette nicht das Hauptproblem in Österreich sind. Vielmehr geht es darum, die Islamdebatte differenzierter zu betrachten und die Moslems nicht alle in eine Schublade zu stecken.
