2010
Lichtnahrung: Am Ende war es eine Lüge
Letzte Woche Donnerstag premierte “Am Anfang war das Licht” (Filmstart: 17.9., Allegro) im Gartenbaukino. Die Esoterik-Dokumentation von Ö3-Filmchef PA Straubinger geht der Frage nach, ob es Menschen gibt, die völlig ohne zu essen und trinken (über)leben können, um diese auch gleich mit einem fetten JA zu beantworten. von Niko Alm
Das ist ernst gemeint.
Die Anweisenheit von Alf Poier und den Science Busters bei der Premiere ist daher auch nicht als Höflichkeitsbesuch unter Arbeitern der Spaßbranche zu werten.
PA Straubinger beherrscht sein Handwerk, aber er beherrscht es nicht besonders gut. Schon möglich, dass sich manch einer bei gelassener Berieselung von den vorgestellten Phänomenen beeindrucken lässt, aber schon mit ein wenig Konzentration wird die Manipulation schnell evident.
Es ist in erster Linie bemerkenswert, was in dieser Dokumentation alles fehlt. Er spricht von vielen Fällen von Lichternährenden in der Geschichte, auf allen Kontinenten, in allen Religionen, um dann nicht einmal eine Handvoll als Beispiele zu bringen. Auffällig ist auch, dass er es mit zehn Jahren Recherche nicht fertig bringt, wirklich skeptische Gegner seiner Hypothese zu finden. PA Straubinger behauptet immerhin, dass es Menschen gibt, die nicht Essen und Trinken müssen, jahrelang, jahrzehntelang.
Das wäre an sich leicht zu beweisen, wenn sich nur eines der gezeigten Exemplare dieser menschlichen Perpetua Mobilia ordentlich untersuchen ließe. Die meisten lehnen das bewusst ab, weil sie ja niemandem etwas beweisen müssen. Sie machen das für sich, es reicht ja zu glauben. Ein sehr religiöses Argument. Manche der vorgeführten Hungerkünstler, wie z. B. eine schwer übergewichtige Russin mit daraus resultierenden, motorischen Defiziten, sind ganz offensichtliche Gaukler. Da nützt es auch nichts als Beleg eine Kirlian-Fotografie (!) vorzulegen, die die dicke Frau als kerngesund ausweist, obwohl sie behauptet seit 10 Jahren nicht zu essen und zu trinken.
Schlussendlich gibt es doch zwei Freiwillige die sich zum Schaufasten unter ärztlicher Kontrolle für ca. zehn Tage in ein Spital legen. In dieser Zeit essen sie nicht und trinken angeblich auch nichts. Aber das reicht als wissenschaftlicher Beweis einfach nicht aus. Der Zeitraum ist viel zu kurz im Vergleich zu der Behauptung 75 Jahre nichts zu sich genommen zu haben. Die Weltrekorde im Fasten (inkl. trinken) liegen übrigens bei ca. 50 Tagen.
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