2010

Jetzt aber mal Tacheles

Bischofskostüm

Replik auf den „Steckbrief für Bischöfe“ von Thomas Götz (stellvertretender Chefredakteur) in der Kleinen Zeitung vom 25. 12. 2010. Eigentlich verdient fast jeder Satz in Thomas Götz‘ Artikel eine Richtigstellung oder Bemerkung. Ich werde mich damit begnügen, lediglich die augenscheinlichsten Passagen katholischer Bigotterie zu kommentieren. 

 

Erster Absatz, dritter Satz:
„Missbrauchsfälle beschädigten ihre (Anm.: katholische Kirche) Glaubwürdigkeit und nur der beherzte, offene Umgang mit dem schauerlichen Thema hat das Schlimmste vereiteln können.“

Erstens: Das Schlimmste wurde nicht vereitelt sondern war bereits geschehen, nämlich der vielzählige Missbrauch an Kindern. Ob die Kirche davon einen Schaden davon trägt oder nicht, sollte in Anbetracht dessen selbst den heiligsten Kirchenfürsten letztrangig sein.

Zweitens: „…und nur der beherzte, offene Umgang mit dem schauerlichen Thema…“
Ein persönliches Gedankenprotokoll (Rundbrief 10) von Sepp Rothwangl zeigt wie offen und beherzt der kirchliche Umgang mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle tatsächlich ist.

Drittens: Wer die katholische Kirche bisher für glaubwürdig hielt, an dem ging wohl einiges vorbei…

 

Zweiter Absatz, zweiter Satz:
„Das Schlimmste tritt ein, wenn alles, was sie (Anm.: die Weltreligion) über Glück und Erlösung, richtiges und falsches zu sagen hat, ungehört verhallt…“

Was die Kirche die vergangenen 2000 Jahre zum Thema "richtiges und falsches" zu sagen hatte und wie die politischen Folgewirkungen davon aussahen, ist wohl der beste Anstoß, ihre Aussagen in Hinkunft ungehört verhallen zu lassen.

 

Dritter Absatz, erster Satz:
„Deshalb ist es auch wichtig, wer in den nächsten Monaten in Vorarlberg, in Salzburg und der Steiermark an die Spitze der Diözesen nachrückt.“

Wenn in Betrieben für bestimmte Aufgaben keine geeigneten Personen gefunden werden, bleiben die ausgeschriebenen Stellen vakant.

Zur Erinnerung:

Bischof Elmar Fischer (Vbg.) stand im März in jeder Zeitung; Zitat Profil: "Er soll Buben ­sogar beim Fußballspielen regelmäßig geohrfeigt und als Rektor im Marianum einem Schüler ­mittels Fausthieb eine Rippe gebrochen haben."

Bischof Alois Kothgasser (Sbg.) schaffte es öfter in die Schlagzeilen, da er sich wo möglich für die Abschaffung der Fristenlösung aussprach und sich anmaß über Gesetze zu urteilen "Kein Gesetz könne die Verbrechen der Abtreibung oder Euthanasie legitimieren."

Einzig Bischof Egon Kapellari (Stmk.) hat sich keinen schweren Schnitzer geleistet.

Falls sich keine vielversprechende Ersatzmannschaft findet: Never change a winning team!

 

Vierter Absatz, letzter Satz:
“Eine Gemeinschaft, die sich vor der Diskussion fürchtet, kann nicht glaubwürdig die Freiheit des Christenmenschen bezeugen.”

Offenbar greifen katholische Christenmenschen in ihrer Not nach der richtigen Deutung der biblischen Wahrheiten nun bereits auf die lutheranischen Thesen zurück. Vielleicht veranstaltet man 2017 eine ökumenische 500-Jahr-Feier des Thesenanschlags?

 

Fünfter Absatz, dritter Satz:
„Ein Pisa-Test, umgelegt auf die Religion, täte vermutlich Abgründe auf. (…) Zurück zur Vermittlung des Wesentlichen also, der Lesefähigkeit sozusagen.“

Kurz nach der lutheranischen Anleihe wird hier ein ureigenes Bedürfnis von FreidenkerInnen formuliert, unser Wunsch durch einen übereifrigen Katholiken geradezu von der Kirche eingefordert: Klarheit und Offenheit über das, was die katholische Kirche ist und die „Wahrheit“, die sie vertritt.
Da helfen wir gerne. Alleine in der vergangenen Woche haben sich wieder einige LaizistInnen sachlich mit diesen Fragen auseinandergesetzt, hier eine Auswahl:

Althistoriker Ronald BIlik und das was wirklich in der Bibel steht: Rony’s Bibelecke.
Amardeo Sarma (gwup.org) in „Weihnachtsgeschichte – ein frommes Märchen“.
Christoph Baumgarten (politwatch.at) in „Seine Eminenz schwafelt“.
Sascha Schmitt (hpd.de) mit dem Artikel „Die Kirche bangt um ihren Nikolaus“.
Erwin Peterseil (atheisten-info.at) in „Schönborn und die Austrittswelle“.

Nichts könnte unseren laizistischen Bestrebungen gelegener kommen, als die Vermittlung der Wahrheit, welche die Realität (beispielsweise jene im Vatikan) abbildet.

 

Fünfter Absatz, letzter Satz:
„Dann spätestens wird die religiöse Ausdünnung auch politisch relevant.“

Die Grafik rechts darf als Kommentar zu dieser Aussage verstanden werden.

Jeder Humanist und jede Humanistin kann sich den politischen Niederschlag der religiösen Ausdünnung nur wünschen.

 

Letzter Absatz, die letzten beiden Sätze:
„2000 Jahre Erfolgsgeschichte garantieren der Kirche das Überleben nicht. Die romantische Idee von der kleinen Herde Christi ist lediglich die Beschönigung einer Niederlage.“

An der romantischen Idee der kleinen Herde können sich wohl nur Machtpolitiker stoßen.

„2000 Jahre Erfolgsgeschichte“ könnte man frei nach Karlheinz Deschner auch als „2000 Jahre Kriminalgeschichte" bezeichnen.

Bild: Jaques Tilly

Andreas Schober, Freidenkerbund Graz
 

Nachsatz: Die Kleine Zeitung ist mit einer Reichweite von ca. 0.8 Mio. Lesern Österreichs größte Regionalzeitung und teilt sich mit der Steiererkrone gewissermaßen das Meinungsmonopol im Land des Kernöls. Die von dieser Zeitung gewohnt christliche Meinungsmache darf daher nicht unterschätzt werden.

Quelle des Coverbildes: racheshop.de

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