2010
Weihwasser verseucht - 269 Menschen schwer erkrankt
Ihre Sünden mögen sie gemäß orthodoxen Vorstellungen los geworden sein. Ihre Gesundheit ebenso. Beim rituellen Wasserbad am 19. Jänner, dem orthodoxen "Fest der Taufe Christi" erwischten 269 Teilnehmerinnen und Teilnehmer Viren, die eine schwere Magen-Darm-Infektion hervorriefen. Der Großteil waren Kinder: 156 Minderjährige erkrankten in Irkutsk, wie die Agence France Press meldet.
Die Kirchenmitglieder hatten laut Medienberichten auch wenig Auswahl, wenn sie den Ritus nach kirchlichen Vorstellungen begehen wollten: Der See, in den sie eintauchten war ebenso verseucht wie das Brunnenwasser der Kirche. Einzig das Leitungswasser der Kirche soll unbedenklich gewesen sein, stellten Behörden bei einer Untersuchung fest.
Das "Fest der Taufe Christi" ist ein zentraler Ritus der orthodoxen Kirchen. Unterschiedlichen Quellen zufolge wird es am 6. oder am 19. Jänner gefeiert, wobei ungeklärt ist, ob sich die Daten auf den julianischen oder den gregorianischen Kalender beziehen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauchen gemäß des Ritus dreimal in Wasser ein - sei es in ein Taufbecken, einen Fluss oder einen See.
Das Ritual an einem dieser Daten durchzuführen, ist in den meisten Ländern mit großen orthodoxen Kirchen an sich gesundheitsgefährlich. In der 500.000-Einwohner-Stadt Irkutsk etwa ist die Durchschnittstemperaturen im Jänner minus 19 Grad Celsius. Für sibirische Verhältnisse gilt das als warm, der nahe liegende Baikal See hat einen moderierenden Einfluss. Allerdings sind auch Winter in orthodoxen Ländern wie der Ukraine, Serbien oder Rumänien nicht gerade warm. Mehrmals freiwillig in eiskaltes Wasser einzutauchen erscheint als keine allzugute Idee.
