2010

Brief an den Bundeskanzler

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S. g. Hr. Bundeskanzler,


mit großem Erstaunen habe ich auf der SPÖ Homepage gelesen, dass Sie sich heute mit Vertretern der Religionsgemeinschaften treffen, um das laufende Budget zu besprechen. Als politisch sehr interessierte Bürgerin wundert mich das doch sehr, weil mir bisher nicht bewusst war, dass Religionsgemeinschaften so bewusst umworben werden!
Wenn Sie das tun, um paritätisch mit allen Vertretern unserer Gesellschaft zu sprechen, dann ehrt Sie das zwar, ich möchte Sie aber daran erinnern, dass 23% aller Menschen in Österreich konfessionsfrei sind und diesen Anteil an religionsfernen Mitbürgern sehe ich in keiner Kommission vertreten!

Aber vielleicht treffen Sie sich ja mit Hr. Schönborn nur deswegen, um ihm im kleinen Kreis mit zuteilen, dass alle unter den schwierigen budgetären Verhältnissen sparen müssen und mit weniger Finanzhilfe von Seiten des Staates rechnen können? Werden die direkten und indirekten Subventionen an die katholische Kirche eingestellt oder zumindest stark reduziert?
Ich wage es kaum zu hoffen, dass sich endlich in der Koalition durchgesetzt hat, dass " in Zeiten wie diesen " jeder seinen Anteil an der Budgetkonsolidierung tragen muss.

Aber es wird wohl ein Traum bleiben - ich weiß schon, die Grundsätze der Sozialdemokratie und Realpolitik klaffen weit auseinander, aber an Bildung, Familienzuschüssen und Pflegegeld zu sparen, ist für das siebtreichste Land der Welt beschämend und nimmt auch den schwächsten in unserer Gesellschaft,nämlich den Kindern und Kranken, jede Chance für ein faires und menschenwürdiges Leben!

Als engagiertes Mitglied der Freidenker ersuche ich sie eindringlich, endlich Chancengleichheit herzustellen, was finanzielle Zuschüsse angeht (gerade an die RKK) und nicht an den Kindern und Jugendlichen zu sparen, die ja unsere Zukunft sein sollten und die fast 2 Mrd. Euro, die wir Steuerzahler an die staatlich anerkannten Religionen abführen müssen, im Sinne eines säkularen Staates ( der wir ja hoffentlich sein wollen ) zum Auslaufmodell zu erklären!

Und bitte vergessen Sie nicht, dass fast ein Viertel aller Österreicher aufgeklärt und frei von Religion leben will, dieses Wählerpotential auf Dauer vor den Kopf zu stoßen, wäre meiner Meinung nach grob fahrlässig!

mit freundlichen Grüßen

Edith Bettinger, Mitglied des Freidenkerbundes
 

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