2010

Brief an Dr. Sanac

Council

Fuat Sanac, der möglicherweise Nachfolger von Anas Shakfeh wird, gab ein Interview im Standard. Hier die Reaktion von unserer Gesinnungsfreundin Edith Bettinger.

S.g. Hr. Dr. Sanac,

vorerst Gratulation zu o.g. Interview, Sie sind heiklen Fragen geschickt ausgewichen, was Sie eigentlich für die österreichische Politik prädestinieren würde!

Ich möchte gleich vorausschicken, dass ich 1) eine Frau und 2 ) Kaffir bin, also Ihrem Glauben entsprechend eines Gespräches nicht würdig! Um so mehr hat mich gefreut, dass Sie es für eine der Pflichten eines Moslems halten, in Dialog zu treten!
Ich nehme an, dass dieser Dialog nur intrareligiös gemeint ist und nicht interreligiös, oder bin ich da von Vorurteilen geblendet und Sie meinen das ganz anders? Dass Sie eventuell mit Vertretern anderer Religionsgemeinschaften sprechen möchten oder werden, ist nett aber auch verständlich, gilt es doch Pfründe zu verteilen! Aber würden Sie sich auch mit laizistischen Organisationen und Islamkritikern oder sogar Ex- Muslimen treffen und mit diesen diskutieren und Ihre Sicht des "modernen Islam" darstellen? Oder sehen Sie Ihre religiösen Gefühle beleidigt, wenn Atheisten und Agnostiker Sie mit konkreten Suren im Quran konfrontieren?

Sie wollen auch, wie ich gehört habe, Frauen mehr einbinden, was im Zusammenhang mit der IGGiÖ nur bedeuten kann, dass Sie auch Frauen zu Propagandazwecken missbrauchen! Das ist eine Drohung für all die türkischen Mitbürgerinnen, die in einem säkularen Staat wie Österreich nicht dem Frauen - und Familienbild des heiligen Quran entsprechen!

Wie stehen zu der Aussage, dass Religion Privatsache ist, es also nicht Aufgabe des Staates sein soll, Gesinnungsgemeinschaften mit Steuergeldern zu subventionieren?
Stimmt es, dass Schüler/innen in der Schule von Islamlehrern dazu angehalten werden, sich mit ihrer Familie bei der IGGiÖ registrieren zu lassen?
Was wollen Sie mit möglichst vielen "Mitgliedern" erreichen? Der Islam ist in Österreich als Religionsgemeinschaft anerkannt, also schliesse ich als dumme Frau daraus, dass es nur um einen grösseren Anteil von Steuergeldern gehen kann!?
Warum können Sie nicht akzeptieren, dass Zwangsbeglückung von Mitgläubigen nicht zeitgemäss und undemokratisch ist?
Was sagen Sie zu der TATSACHE, dass vom Islam "abgefallene" türkischstämmige Mitbürger/innen bedroht werden, weil Apostaten in Ihrem Weltbild nicht vorgesehen sind? Bzw. befürworten Sie die Todesstrafe für Apostasie, womit Sie zwar in Österreich Probleme beim Vollzug hätten, aber als gläubiger und praktizierender Moslem sollten Sie doch diese Problemlösung favorisieren!?

Ich hätte noch so viele Fragen, aber da ich annehme, dass Sie wie Ihr Vorgänger Hr. Shakfeh auf kritische Meinungen nicht reagieren, belasse ich es jetzt dabei!

Ich wünsche Ihnen viel Glück bei Ihrem Aufstieg in der Hierarchie,
möge Allah (der österreichische natürlich) mit Ihnen sein !

Massalama

Edith Bettinger , Freidenkerin

 

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