2010

Brief an den Botschafter der Türkei

erdogan

S. g. Hr. Botschafter Tezcan,

mit großer Sorge verfolge ich die Berichterstattung über Ihr Interview in der Presse vom 9. 11. 2010! Aus all diesen veröffentlichten und somit öffentlichen Meinungen eine Zusammenschau zu treffen, ist gar nicht so einfach. Aber ich versuche es dennoch, wohlwissend, dass ich der Diplomatensprache nicht mächtig bin, aber Sie haben ja bewiesen, dass manchmal auch eine Meinung aus dem Bauch heraus opportun sein kann!

Sie fragen sich sicher, warum Sie von mir ein Mail erhalten, da ich ja weder türkischer Herkunft noch Politikerin bin. Nun, ich bin eine humanistisch denkende Österreicherin und mich beschäftigt wie so viele andere auch natürlich das Thema Integration. Wir sind uns ja sicher einig, dass Integration immer ein Geben und Nehmen sein muss - dass Ihren türkischen Landsleuten nicht immer adäquat entgegengetreten wird und wurde steht außer Zweifel! Aber wir sollten doch alle miteinander dafür sorgen , dass das politische Klima in Österreich besser und nicht schlechter wird - an einem weiteren Rechtsruck können Sie ja auch nicht interessiert sein, denn die meisten Österreicher wollen wirklich eine solidarische und empathische Gesellschaft!
Wenn Sie wirklich und ernsthaft daran interessiert sind, die Interessen der türkischen Mitbürger zu vertreten, dürfen Sie nicht denselben Fehler machen wie die Populisten im Lande und "die Türken in Österreich“ als homogene Masse betrachten. Es gibt Aleviten, Kurden, Ex - Muslime, Laizisten uvm. und das alles sind die Menschen, für die Sie sprechen sollten!
Worauf ich hinaus will? Ganz einfach: Nicht die Matura in türkischer Sprache oder die Unterstützung von Mili Görüs sollte in Ihr Portfolio, sondern die Anerkennung der Tatsache, dass die Türkei ein laizistischer Staat ist und die Mehrheit der Österreicher kein Interesse an religiösen Debatten und religiöser Indoktrinierung hat.
Die Bindung der türkischen Mitbürger an den Staat Österreich verstärken, wir arbeiten an unseren Integrationsaufgaben und Sie daran, dass wir alle in erster Linie Menschen , dann Europäer und dann Österreicher sind und nicht Moslems und Christen!

Mit freundlichen Grüßen,

Edith Bettinger, Freidenkerin

 

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