2010

Biografie eines pädophilen Paters als Buch

bibel_priester

Kirchliche Stellen kümmerten sich nicht

Pater B. war Buben immer sehr nah, wird im Buch geschildert. Als in der Salzburger Erzabtei St. Peter immer mehr Gerüchte über die pädophilen Neigungen auftauchten, tauchte Pater B. ab - in die Diözese Linz, als Landpfarrer.

"Die katholische Kirche hat hier versagt", schildert Buchautor Norbert Blaichinger, "Auf der einen Seite wurde damals Pädophilie nicht ernstgenommen, auf der anderen Seite gab es eine katastrophale Informationspolitik zwischen Kloster und den einzelnen Diözesen. Sonst hätte das alles nicht passieren dürfen."

Die Diözese als neuer Arbeitgeber habe sich nicht um das Vorleben des Paters gekümmert, argumentiert der Autor.

Von Diözese zu Diözese gezogen

Blaichingers Hauptvorwurf an die katholische Kirche ist, dass auf die Gerüchte rund um Pater B. jahrzehntelang praktisch nicht reagiert wurde.

"Die Vorwürfe kamen ja immer wieder", sagt der Autor, "Es gab in den Pfarren, wo er bis 1986 war, auch Vorwürfe, es gab Ermittlungen der Kriminalpolizei. Alleine der Verdacht hätte genügen müssen, dass man sich die Situation näher anschaut."

Das geschah aber nicht, so Blaichinger - auch nicht bei den weiteren Wechseln von Pater B. in die Erzdiözese München und schließlich nach Altötting in die Diözese Passau.

Keine Anklage wegen Missbrauchs in Marokko

Dass der Pater häufig am Salzburger Homosexuellen-Strich gesehen wurde, blieb ebenso ohne Konsequenzen wie eine Anklage wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in Marokko, so Norbert Blaichinger.

Die Anklage wegen des Missbrauchs in Marokko wurde in Österreich fallengelassen, weil der Pater seinen Hauptwohnsitz in Altötting in Deutschland hatte, heißt es im Buch von Seiten der Staatsanwaltschaft. Zwei Mittäter von B. wurden im Vorjahr deswegen verurteilt.

Über Jahrzehnte an Buben vergangen

Vertuscht, verschlampt, konkrete Hinweise einfach nicht ernstgenommen - wahrscheinlich war es die Mischung aus all diesen Dingen, die dazu geführt hat, dass der Benediktiner-Pater die Möglichkeit hatte, sich über viele Jahrzehnte an Buben zu vergehen. Dieses Resümee von Norbert Blaichinger zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch.

Auch die Autoritätshörigkeit von Erwachsenen, die den Kindern kein Gehör schenkten, wird betont.

Opfer meldeten sich nach Jahrzehnten

In den vergangenen Monaten haben sich mehrere Opfer von Pater B. gemeldet, oft Jahrzehnte nach den Taten. Zwei der Fälle werden im Buch geschildert: So werden aus den unzähligen Gerüchten konkrete Fälle.

Das Plädoyer des Autors im Namen aller Opfer: Bei Fällen sexuellen Missbrauchs solle es keine Verjährungsfrist geben: "Das ist nichts anderes als Seelenmord. Daher würde für mich hier die Verjährungsfrist wegfallen", betont Blaichinger.

Quelle: orf.at

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