2010
"Missionar des Herrn" leugnet Gaskammern
Martin Humer liebt die Provokation. Wo er auftaucht, gehen die Emotionen meist rasch ziemlich hoch. In seinem Kampf gegen blasphemische Kunst und Pornografie schont der 86-Jährige weder sich noch seine Gegner. Trotz angeschlagener Gesundheit denkt er nicht daran, kürzer zu treten.
Seine "Kreuzzüge gegen die Unmoral" enden nicht selten auf Wachzimmern oder vor Gericht. Doch Strafen können den pensionierten Fotografen aus Waizenkirchen, OÖ, nicht stoppen. Er sieht sich als "Missionar des Herrn", der sich von weltlichen Richtern den Mund nicht verbieten lässt.
Mit seiner jüngsten Aktion scheint Humer den Bogen aber endgültig überspannt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Wels und das Landesamt für Verfassungsschutz (LVT) ermitteln wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen das NS-Verbotsgesetz (§ 3g). "Es geht um Holocaust- und Gaskammerleugnung", bestätigt LVT-Chef Michael Tischlinger.
NS-Verbotsgesetz
Der "Pornojäger" hatte im Zuge des Wiederbetätigungsprozesses gegen Gert Honsik dem vorsitzenden Richter Andreas Böhm einen Brief geschickt, in dem er sich mit dem Angeklagten solidarisch erklärte. "Honsik bestreitet, dass es in Dachau und in Mauthausen Gaskammern gegeben hätte. Honsik hat recht!" , behauptete Humer.
Seine Begründung: Der frühere oö. Landeshauptmann Heinrich Gleißner (1893 bis 1984) , der in Dachau inhaftiert war, habe wiederholt erklärt, dass er dort keine Gaskammern gesehen habe. Eine Behauptung, die wissenschaftlich nicht korrekt ist, allerdings einen wahren Kern beinhaltet. Denn in Dachau gab es zwar Gaskammern, doch ob darin auch Menschen ermordet wurden, ist fraglich (siehe Hintergrund).
Anders verhält sich die Sachlage mit Humers Vorhaltung, Simon Wiesenthals Sekretärin bei der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Linz, Martha Kulka (1903 bis 1987), habe geäußert, dass es in Mauthausen keine Gaskammer gab. Darüber kann der Linzer Historiker Michael John nur den Kopf schütteln: "Es ist belegt, dass in der Gaskammer des KZ Mauthausen mindestens 3455 Menschen ums Leben kamen."
Eisern
Martin Humer beharrt jedoch auf seinen Aussagen. Im KURIER-Gespräch kündigt er an, die Behauptungen vor Gericht beweisen zu können. "Den Wahrheitsbeweis zu führen, das gelingt mir aus dem Handgelenk. Ich besitze 3000 Ordner Zeitgeschichte."
Quelle: kurier.at
