2009

Litauische Kleinstadt ernennt Jesus zum König

Quelle: http://www.salcininkai.lt

Zdzislav Peric, Bürgermeister der ethnisch mehrheitlich polnischen Kleinstadt Salcininkai zeigt sich gegenüber Medien stolz auf die seiner Meinung nach offenbar epochale Leistung der Kleinstadt. Dort hat der Stadtrat Jesus zum König ernannt. Einstimmig. Das soll offenbar gegen die Wirtschaftskrise helfen. Der angebliche Religionsstifter gewinne in Politik und Kultur immer mehr an Bedeutung.

Dass es vermutlich sogar in Salcininkai Andersdenkende gibt, scheint dem Bürgermeister nicht bewusst zu sein. Der Schritt tue niemandem weh. Man erwarte sich, dass man die Bewohnerinnen und Bewohner ermuntere, die zehn Gebote einzuhalten.

Eine Umfrage, wie viele Einwohnerinnen und Einwohner die zehn Gebote kennen, gab es offenbar nicht. Und warum sie eines Gottkönigs bedürfen, um sich an Vorschriften zu halten, wurde auch nicht näher erläutert. Unklar scheint auch, ob der Schritt mit der litauischen Verfassung vereinbar ist. Die sieht trotz aller nationalistischer und klerikalistischer Anwandlungen seit der Unabhängigkeit an sich eine republikanische Staatsform vor. Der Schritt des Salincinkaier Stadtrates erinnert zudem an polnische Vorbilder. Dort wurde vor wenigen Jahren mehr oder weniger ernsthaft überlegt, Jesus zum König von Polen auszurufen.

Mit dem radikalen Katholizismus wollen sich Litauer und Polen seit dem Zusammenbruch des Stalinismus von Russen und Ukrainern und der früheren kommunistischen Nomenklatura abgrenzen. Ähnlich wie am Balkan ist das Religionsbekenntnis aus Sicht der Mehrheitsbevölkerung untrennbar mit ethnischer Zugehörigkeit verbunden. Gottesdienste und andere religiöse Feiern werden so unweigerlich zur Demonstration der Stärke gegenüber ethnischen Minderheiten.

« zurück